2. Februar 2010

Die Trauerrede von Peter Kurz

Liebe Angehörige, sehr geehrte Trauergäste!

“Das größte Leiden ist nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst vor dem Leben.“ - Wenn wir uns diesen Satz des ägyptischen Schriftstellers Nagib Mahfouz angesichts des Todes von Peter und Sophie Baumgartl vergegenwärtigen, dann können wir nur zu dem Schluss kommen, dass beide – Peter auf seine und Sophie auf ihre Art – mit Sicherheit keine Angst vor dem Leben kannten.

Für den Kreisverband Traunstein-Berchtesgadener Land der Partei DIE LINKE habe ich heute die Aufgabe, den politischen Menschen Peter Baumgartl zu würdigen.

Peter hat sich nicht darauf beschränkt, sein Kreuz auf einem Wahlzettel zu machen. Nein, er war von Anfang an überzeugt,

− dass eine Demokratie nur lebendig und stark ist, wenn es aktive Demokraten gibt, die ihr Leben nicht nur in der Privatsphäre sehen,

− und dass es nicht genügt, Verantwortung ausschließlich an gewählte Volksvertreter zu delegieren.

Deshalb hat er sich eingemischt und sich mit der ihm eigenen Klarheit dort eingebracht, wo er die Wurzeln für Fehlentwicklungen in der Gesellschaft sah:

− für Frieden und gegen Aufrüstung und Militarismus

− für Freiheit und Demokratie und gegen Neonazis und Faschismus

− für soziale Gerechtigkeit und gegen Armut und Ausgrenzung

Er hat mit uns gemeinsam für eine menschlichere, gerechtere und ökologische Gesellschaft gestritten - und gegen ein Wirtschaftssystem, in dem aus Profitgier Mensch und Natur ausgebeutet werden.

In unserem Kreisvorstand war er der Schatzmeister. Das ist lediglich eine Funktion, für die es im Übrigen keinen Besseren hätte geben können. Aber er war für uns viel mehr! Seine ruhige und bestimmte Art zu argumentieren, nie aggressiv zu werden, auf Andere immer einzugehen und sich auf das Wichtige zu konzentrieren, hat uns beeindruckt. Nur wenn er es für nötig hielt, hat er sich eingemischt. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals einen seiner Vorschläge abgelehnt oder verworfen hätten. Wenn Peter Baumgartl eine Aufgabe übernahm, brauchte niemand mehr nachzufragen. Er war zuverlässig und hilfsbereit wie sonst niemand. Und zur rechten Zeit brachte er uns mit trockenem Humor und feiner Ironie alle wieder auf den Boden. Er hat uns motiviert, manchmal angetrieben - und dabei nie resigniert!

Er war mehr als ein guter Freund:

Peter Baumgartl war das Herz in unserer jungen Partei.

Vor den letzten Bundestagswahlen vertraute er mir an: „Das Wahlergebnis ist für mich gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir unsere Informationen und Argumente an viele Menschen bringen, dass wir aufklären, die Leute überzeugen und selbst glaubwürdig sind.“

Das entsprach seinem Naturell: Mit dem eigenem Beispiel überzeugen von der Sache, die er für richtig hielt. So ist er wohl auch in seiner Familie zum Vorbild geworden. Denn es nicht immer so, dass sich die eigenen Kinder bereits im Schulalter auf ähnliche Weise wie der Vater engagieren, wie Peters Tochter Sophie es beim Bund der Antifaschisten getan hat.

Informieren, aufklären, argumentieren und wenn es sein muss, auf die Straße gehen und demonstrieren. Das hat er gelebt. Peter Baumgartl ist für seine politische Überzeugung offen und mutig eingetreten. Unsere Demokratie könnte mehr Vorbilder wie Peter und Sophie Baumgartl brauchen. Nun trauern wir seit einer Woche um zwei Menschen, die sich nicht abgefunden haben, die sich eingebracht haben, die Mut gemacht haben. Ihr Beispiel ist uns Verpflichtung. Deshalb darf ich diese Worte mit einem Zitat Bertolt Brechts beenden: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“

Zumindest dieses Schicksal wird Peter und Sophie für immer erspart bleiben!