8. Oktober 2018

„Hass ist krass – Liebe ist krasser“

Traunstein. 300 bis 500 Demonstranten fanden sich am Samstagnachmittag auf dem Traunsteiner Stadtplatz zu einer Kundgebung gegen die rechte Hetze der AfD ein um ein friedliches Zeichen gegen Hass zu setzen. Anlass war die Ankündigung einer Großkundgebung der AfD, die diese aber 2 Tage zuvor abgesagt hatte. Zur Gegenkundgebung hatte ein Bündnis aus Piratenpartei, MUT, DIE LINKE, Jusos, Grüne, ÖDP, DGB, VVN-BdA, Friedensinitiative und weiteren Organisationen aufgerufen. Angereist waren unter anderem auch Katja Kipping (MdB, DIE LINKE), Kevin Kühnert (Jusos) und Dieter Janecek (MdB, Die Grünen). Die Veranstaltung wurde von Martina Wenta, Bezirksrätin und Kreisvorsitzenden der Piratenpartei, moderiert.

Bezüglich der kurzfristigen Kundgebungsabsage der AfD am Freitag erklärte Polizeihauptkommissar Alexander Fedrau, der AfD-Kreisverband habe ihm gegenüber Sicherheitsbedenken geäußert. Man befürchte "gewaltbereite Teilnehmer bei der linken Gegendemo". Das Risiko wolle man weder den Bürgern, noch den zur Absicherung notwendigen 200 Polizisten zumuten. Eine Einschätzung, die von der Polizei nicht geteilt werde. „Wir können die Sicherheit zu jeder Zeit gewährleisten, wie das auch auf der kürzlich stattgefundenen Kundgebung in Rosenheim der Fall war“, so der Einsatzleiter.

Claudia Thieltges, Vorsitzende des Kreisverbandes DIE LINKE. Traunstein, kommentierte die „Sicherheitsbedenken“ der AfD satirisch. „Danke ihr linksversifften mutigen LINKEN. Schön, dass ihr wieder so brutal wart und so zahlreich für Angst und Schrecken bei der AfD gesorgt habt! Besonders allen Brutalokids von der Seifenblasenfront sei gedankt! Alle, die der AfD das Fürchten lehren! Bleibt weiterhin so radikal linksversifft und mutig! Wir brauchen euch in Zukunft!“ so die Kreisvorsitzende der LINKEN nach der Kundgebung.

Wir sind mehr und wir werden auch mehr bleiben 

Viele Kundgebungsteilnehmer sahen in der kurzfristigen Absage die altbekannte Opferrolle, in die sich die AfD nur zu gerne begibt. Für Hauptrednerin Katja Kipping war die Sache klar: „Wir sind mehr und wir werden auch mehr bleiben. Die AfD hat gekniffen.“ Der rechtsradikalen Partei attestierte sie, sich spätestens seit den Demonstrationen in Chemnitz offen mit Nazis einzulassen: „Die AfD macht den Schulterschluss mit den Stiefel-Nazis.“ Es gelte die Devise: „Wehret den Anfängen.“ 

Sabine Teifel, Landtagskandidatin der Partei MUT, berichtete über ihre Erfahrungen mit der AfD und dem braunen Umfeld der Partei. Sie habe sich immer sicher gefühlt. Seitdem sie sich aber in der Öffentlichkeit positioniere, werde sie persönlich massiv bedroht. Dies ginge bis hin zu Todesdrohungen. Mit Blick auf die Landtagswahl schloss Sabrina Teifel mit einem Zitat: „Der 14. Oktober wird nicht als Tag der Rechten, sondern als Tag der Aufrechten in die Geschichte eingehen!“

Helmut Kauer von der ÖDP sieht Parallelen zu den 20er/30er Jahren und erinnert an die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ in München. Die Situation von damals sei der heutigen ähnlich. Passiver Widerstand sei deshalb ein Gebot der Stunde.

Johannes Schmidt von den Piraten richtete den Blick auf Asylbewerber.: „Die Menschen kommen nicht zum Sozialhilfe-Tourismus zu uns.“ Jahrelange Kriege, für die die USA, aber auch von Deutschland gelieferte Waffen verantwortlich seien, hätten die Menschen auch aufgrund großer wirtschaftlicher Nöte aus ihrer Heimat vertrieben.

Kevin Kühnert von den Jusos wertete die vielen Teilnehmer als positives Zeichen für eine offene Demokratie. Die Rechte lebe davon, dass sie Probleme anspricht, für die sie keine Antworten habe. 

In der langen Liste der Redner sagte die Jugendsekretärin des DGB, Katarina Koper, die Gewerkschaften seien „zum Ziel der Angriffe der AfD geworden.“ Diese präsentiere sich als „Pseudo Arbeitnehmervertretung“, letztlich habe man aber das Ziel, bestehende Arbeitnehmerrechte drastisch einzuschränken: „Wenn es nach der AfD geht, arbeiten wir bis zum Umfallen.“

Luftballons mit Grundgesetz-Artikel steigen gen Himmel

Bewusst gewählt war die musikalische Umrahmung: Stücke von Bob Dylan und Bob Marley, das in den sozialen Medien zum Hit aufgestiegene Lied „Mia ned!“ und der „AfD-Song“ von Jennifer Rostock, in dem es heißt: „Denn nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“ Zum Abschluss wurden mit Gas befüllte Luftballons in den Himmel geschickt, an denen Flyer mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) befestigt waren.