4. Juli 2017

Kundgebung gegen die AfD: Gemeinsam für Weltoffenheit und Toleranz

Michael Reiter auf der Kundgebung gegen die AfD. Foto: Peter Kurz

Ein Bericht von Pia Mix

Traunreut. Zur Veranstaltung der AfD in der TuS-Sportplatzgaststätte am Samstagabend formierte sich eine Gegen-Kundgebung bestehend aus der Friedensinitiative im Landkreis Traunstein, DIE LINKE, ÖDP, Piratenpartei, B90/Die Grünen Ortsverband Traunreut, „AK Anti-Rassismus“ des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg und VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes). Die rund 40 Demonstranten hatten Trillerpfeifen und Trommeln dabei, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Sprecherin der Veranstalter Dr. Renate Schunck war mit der Teilnahme an der kurzfristig angesagten Kundgebung sehr zufrieden, sie hatte nicht mit so vielen Unterstützern gerechnet, und betonte: „Alle Menschen sollten aufwachen und sehen, welche Gefahr da auf uns zukommt.“ Enttäuscht zeigte sie sich von den Wirtsleuten der Sportplatzgaststätte beziehungsweise dem Besitzer, dem TuS Traunreut. Seit vielen Jahren sei die Gaststätte die Heimat der Friedensinitiative, regelmäßig finden dort die Treffen statt. „Ich verstehe nicht, warum sie diese Veranstaltung der AfD bei sich überhaupt zugelassen haben.“

Michael Reiter aus Laufen, Mitglied im Kreisvorstand der Partei DIE LINKE, ging am Mikrofon auf das Parteiprogramm der AfD ein und zeigte dabei einige, aus seiner Sicht, bestehende Diskrepanzen auf. Er betonte unter anderem: „Ich möchte meine Rede heute nutzen, um ein für alle Mal klar zu machen, dass diese Partei sicher vieles ist, aber ganz sicher keine Partei des Volkes!“ Als eines von mehreren Beispielen griff Michael Reiter die Aussage der AfD auf, sie sei eine Friedenspartei. „Gleichzeitig fordert sie aber die Wiedereinführung der Wehrpflicht, gepaart mit einer personellen Aufstockung der Bundeswehr. Die Partei steht also nicht für Frieden sondern für Aufrüstung, sowohl mit Material und Personal in der Armee wie auch ideologisch in den Köpfen der Menschen“, so seine Meinung. Zum Thema Integrationspolitik führte er aus: „Die AfD bezeichnet die Integrationspolitik als gescheitert. Dem möchte ich hier ausdrücklich zustimmen. Wenn es für Millionen von Menschen in Deutschland inzwischen selbstverständlich ist, ihr Kreuz bei AfD, NPD und Co. zu machen, dann ist deren Integration in unserer Demokratie wirklich mehr als gescheitert.“

AfD-Parteigrößen wie Björn Höcke redeten gerne vom so genannten „Biodeutschen“. „Klar nicht zum Volk gehören für die AfD neben Migranten auch linke Aktivisten, kritische Journalisten und alle anderen, die dieser Partei offen entgegentreten. Ich für meinen Teil kann aber sagen, dass es für mich keine größere Ehre seitens der AfD geben kann, als nicht in ihr gestörtes Weltbild zu passen“, so Michael Reiter.

Alles in allem verlief der Einzug der Besucher in der Sportplatzgaststätte im Beisein der Kundgebung friedlich und ruhig. Der Traunreuter Polizeichef stellte fest, dass alles „im Rahmen und so wie genehmigt“ abgelaufen sei. Johann Bohnert führte dies nicht zuletzt darauf zurück, dass beide Veranstaltungen durch den Traunring getrennt waren und es so gar nicht zu Ausschreitungen kommen konnte. Lediglich laute Worte wurden über die Straße hinweg ausgetauscht.     - mix