24. April 2022

Erich-Mühsam-Abend in Traunstein

Am nächsten Donnerstag, den 28.04.2022 um 19:30 Uhr findet in Traunstein im Saal des Hofbräustüberls ein vom Kreisverband DIE LINKE. Traunstein organisierter Erich-Mühsam-Abend statt. Als Referent konnten wir den politischen Philosophen und Anarchisten Dr. phil. Peter Seyferth gewinnen.

Hier eine Zusammenfassung über das Leben Erich Mühsams und um was es an diesem Abend gehen wird:

Mühsam wird 1878 in Berlin als Sohn eines jüdischen Apothekers geboren und wächst in Lübeck auf. Erich Mühsam lehnte schon sehr früh jegliche Autorität ab und wird wegen „sozialistischer Umtriebe“ der Schule verwiesen.

Ab 1901 lebt Mühsam in Berlin und wird Schriftsteller. In Berlin entsteht eine Lebensfreundschaft mit Gustav Landauer. Auf dessen Anregung beschäftigt er sich mit den anarchistischen Theorien von Kropotkin und Bakunin. Nach einigen Wanderjahren zieht er 1909 nach München. Hier wird er zu einer Zentralfigur der „Schwabinger Bohème“ und freundet sich mit Schriftstellern wie u. a. Heinrich Mann, Frank Wedekind und Ernst Toller an. Sein Geld verdient er als Schriftsteller, Kabarettist Redakteur und als sein eigener Verleger. Er setzt sich unermüdlich für die Unterprivilegierten und Unterdrückten ein.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ist Mühsam eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Bayrischen Räterepublik. Nach dem Scheitern der Revolution, dem die Ermordung von Kurt Eisner vorausgegangen war, wird er wegen Hochverrats zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Nach 5 Jahren kommt er im Zuge einer Amnestie frei.

Erich Mühsam gehört nicht zufällig zu den ersten Opfern des Nazi-Regimes. Er ist seit langem als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus bekannt und ruft bis zuletzt zum Kampf gegen den Faschismus auf.

Warum nun eine Veranstaltung zu Erich Mühsam in Traunstein?

Am 28. April 1918 kommt Mühsam zusammen mit anderen Häftlingen mit dem Zug nach Traunstein. Er wurde tags zuvor in seiner Wohnung in der Georgenstraße in München/Schwabing verhaftet. In Traunstein wird er nicht – wie die meisten anderen Gefangen aus dem Zug – im Gefangenenlager interniert, sondern darf sich frei in der Stadt bewegen. Er muss sich jedoch viermal täglich, alle drei Stunden, bei der Kommandantur melden.

Es quält Erich Mühsam, dass er in Traunstein zur politischen Untätigkeit verdammt ist. Seinem Freund Carl Georg von Maassen schreibt er: „… und ich bin jetzt in bayrisch Sibirien in der Verbannung.“ Am 31. Oktober 1918 kehrt Mühsam nach München zurück. Wenige Tage später, in der Nacht zum 8. November 1918, proklamiert Kurt Eisner den Freistaat Bayern.

Der Aufenthalt von Erich Mühsam in Traunstein wird auf dieser Veranstaltung nicht groß beleuchtet werden. Vielmehr will die Veranstaltung aufklären, wie Mühsam zu dem wurde, der er war, und welche neuen anarchistischen Ideen er entwickelt und verbreitet hat. Es geht um Mühsams schwieriges Verhältnis zum Kommunismus, seine vieldimensionale Herrschaftskritik, seine Pläne für eine (weitere) Revolution und eine (bessere) Räterepublik – Föderalismus von unten. Manche seiner Ideen sind bis heute wirksam, und wir können uns von ihm inspirieren lassen.